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Ein Erinnerungszeichen zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen vom 10. Mai 1933
Vor 74 Jahren, wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, beteiligten sich 50.000 Menschen und an der Bücherverbrennung auf dem Königsplatz, die von Studenten der beiden Münchner Universitäten und der Deutschen Studentenschaft inszeniert wurde. Verbrannt wurden Bücher von Autoren wie Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Erich Kästner, Irmgard Keun, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig und Stefan Zweig. Ab März 1933 wurden in Deutschland (in über 50 Städten) und später in den besetzten Ländern Bücher und Bibliotheken verbrannt und vernichtet. Dem folgte die Vernichtung von Menschen und die Zerstörung von Städten und Ländern.
Wie Gras über die Geschichte wächst
Am 10. Mai 1933 nachts um 23.30 verbrannten ca. 50.000 deutsche Akademiker und Nazis Bücher, die sie als schund und undeutsch diffamierten. An diese Auftaktveranstaltung für die mörderische Brandstiftung in der ehemaligen Hauptstadt der Nazi-Bewegung erinnert nichts - auch nicht die kleinste Hinweistafel. 1988 ließen Stadt und Staat die brüchigen Platten vom Platz räumen und einean Klenze angelehnte Platzgestaltung herstellen - so als wäre nichts gewesen und als hätte es in dieser Stadt nirgendwo Täter und Taten gegeben. Am 9. November 1995 (dem Jahrestag der sogenannten "Kristallnacht") brachte der Münchner Künstler Wolfram P. Kastner im Rasen des Königsplatzes einen Brandfleck als Zeichen der Erinnerung an die Bücherverbrennung und ein Hinweisschild mit einem Text in deutsch und englisch an. Die Stadt wurde gebeten, kein Gras über die Geschichte wachsen zu lassen. Eine Gedenksättenkommission, in die vom Oberbürgermeister auch der berüchtigte Nolte-Laudator Prof. Möller berufen wurde, lehnte dies mit dem Hinweis auf Denkmalschutz und mit der bemerkenswerten Begründung ab, die original Brandspur sei nicht mehr vorhanden, also wäre "eine historische Situation nicht mehr gegeben, d. h. die Kontinuität des eigentlichen Zustandes ist nicht mehr gewahrt".
Die Stadtverwaltung verbot daraufhin auch eine zeitlich befristete Installation des Brandflecks. Erst als die Presse aufmerksam wurde und die Bürgermeister der Grünen interveniert, wurde das Verbot zurückgenommen.
Das deutsche PEN-Präsidium, der Verband deutscher Schriftsteller, Buchhändler und Verleger, Lehrer und Studenten der Universität haben das Erinnerungszeichen befürwortet und ermöglicht.
Eine "widerrufliche wegerechtliche Sondernutzungserlaubnis" befristete die Erinnerung bis zum 23. Dezember 1995. "In Vollzug des Kulturausschußbeschlusses vom 30.11.1995 wird die Stadt bis zur Wachstumsperiode im nächsten Jahr auf eine Wiederherstellung der Grasnarbe verzichten. Danach wird auf dem Erdfleck aufgrund natürlichen Wachstums und gärtnerischer Maßnahmen die ursprüngliche Grasfläche neu entstehen. An eine erneuerte Enfernung des Bewuchses (...) ist nicht gedacht."(Baureferat der Landeshauptstadt München)
Am 22. Dezember 1995 schenkten Wolfram P. Kastner und Robert Staufer, Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller Bayern, den Münchnern das gesamte Erinnerungszeichen und überreichte dem Oberbürgermeister eine Schenkungsurkunde.
Am 28. Februar 1996 wurde das Hinweisschild von einem städtischen Arbeitstrupp abgesägt und auf Verfügung der Stadtspitze in das Stadtarchiv in eine Kammer für dreidimensionale Geschenke eingelagert.
Seitdem wächst in München wieder Gras über die Geschichte. Im Haus der Kunst wurden Fotos ausgestellt, die das zeigen. Abzüge davon befinden sich in Yad Vashem in Israel. Keine deutsche Institution zeigte daran bisher Interesse.
Carl Blauhorn
Anmerkung der Redaktion:
Seit 1995 fand das Erinnerungszeichen siebenmal statt auch mit Unterstützung des Münchner Kulturreferats.
Auch der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München ist inzwischen lernfähig geworden und las 1996 aus "verbrannten Büchern" und hoffe, nicht das letztemal . . . , regen Zuspruch auch bei der Münchner Bevölkerung, hervorzuheben wären dabei die Münchner Schulen.
Diese Lesungen sind ein fester Bestandteil Münchner Erinnerungskultur geworden.
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