Chronologie Anfang - Acting - Art - of - Memory 04.02.2012 - 20:34 

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  SS-Kranzschleife
Chronologie einer SehStörung





1989

am 1. November gehe ich - während eines Aufenthaltes im Gastatelier des Künstlerhauses - mit einem bekannten zufällig über den Kommunalfriedhof und stoße am Kriegerdenkmal auf einen großen Kranz mit schwarzen Schleifen "Unseren gefallenen Kameraden der Waffen SS". DA ich derartiges noch nie gesehen habe, bin ich wegen der demonstrativen Dreistigkeit ziemlich erregt und wegen und wegen der offensichtlichen Gleichgültigkeit der Friedhofbesucher verwundert. Daraufhin forsche ich über die Geschichte der Stadt nach und entdecke ebenso Unsichtbares wie Unglaubliches.



1993

da fast alle, die ich fragte, weder von den Aufmärschen der Waffen SS noch von der Kranzschleife etwas wissen oder meinen Berichten glauben, fahre ich wieder zum 1. November nach Salzburg, um mich zu vergewissern, und erlebe einen Teil des gespenstischen Aufmarsches der FPÖ und Kameraden mit. Blasmusik, Marschformation in Reih und Glied sowie das Kommando "Kameradschaft vier, nach vorne wegtreten" schlagen sich auf meinen Magen.



1994

1. November: Nach dem erneuerten Aufmarsch der SS-Veteranen bringe ich zur besseren Sichtbarkeit und zur Behebung einer Sehstörung einen Scherenschnitt an dem SS-Fetzen an. Das führt zu Anzeigen, Vernehmung, hitzigen Debatten - auch in leserbriefen - und zu einem Sturm der Alt -SSler auf die Galerie 5020, in der ich in meiner Ausstellung "Realitäten" ein Enviroment eingerichtet habe - mit der beschnittenen Kranzschleife. Sie drohen:"Auge um Auge, Zahn um Zahn".

11. November:
Ein - dem Klang der Stimme nach - älterer Mann mit Salzburger Tonfall droht per Telefon:"Ihnen schicken wir auch noch eine Briefbombe zu." ich verständige Freunde, Presse und Rundfunk.

18. November:
ein Herr Strobl von der BuPo Salzburg erkundigt sich nach den Einkommensverhältnissen meiner eltern für den fall, daß ich eine auferlegte strafe nicht bezahlen könnte. Er weiß nichts von einer Briefbombendrohung und hält das für eine "Schmähaktion" meinerseits. Die Polizei ermittelt nicht.

20.11. 1994:
Schriftliche Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft und der Bundespolizei werden nicht einmal best?igt - geschweige denn verfolgt.




1995

lade ich nur ein, den anachronistischen Zug der SS-Veteranen zu besichtigen und die "dekorative wirkung eines Scherenschnitts selbst zu überprüfen", aber das führt offenbar nur zu einem großen Polizeiaufgebot zum Schutze der SS-Schleife.


 
 
 



 
   
 

 

 
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